Meine Kochbücher… Nr. 163

So, ein wenig Pause von Sylt…
Tun wir uns doch mal was Gutes und nehmen „Alternativ essen – Die gesunde Sojaküche“ aus dem Falken Verlag von 1980 zur Hand.
Alternativ essen - Die gesunde Sojaküche
Gratulation, wer jetzt immer noch weiterliest! Immerhin sind hier im Titel drei Wörter drin, die dafür sorgen, daß sich die Familie unterm Tisch versteckt: „alternativ“, „gesund“ und „Soja“. Und dann stammt das Buch auch noch aus den 80er und ist damit vom optischen Standpunkt aus einfach genau so, wie man sich die Rezepte unter so einem Titel vorstellt: fade, merkwürdig und „sehr gesund“.

Nun, hacken wir mal nicht auf dem „gesund“ drauf rum, das muß jeder für sich entscheiden. Immerhin kommt alle paar Jahre einer und erklärt uns, wir hätten uns bisher total falsch ernährt und wenn wir das Gegenteil täten, wäre das viel besser. Es sei also jedem selbst überlassen, für wie gesund er Soja hält.
Dafür gibt es aber auch eine Hälfte Rezepte, bei denen Soja gar nicht vorkommt, wie den Gurkensalat mit Dillrahmsauce, das Weizenkeimmüsli oder das Hirsotto mit Pilzen. Ok, bis auf ein oder zwei Ausnahmen sollte man der „alternativen gesunden“ Küche schon aufgeschlossen gegenüberstehen, daß man solche Rezepte probiert bzw. nachkocht. Wir alle haben die jesuslatschentragenden Übermutter aus den 80er als Bild im Kopf, die ihren Kindern sofort den Schokoriegel aus den Fingern reißt und durch mit Apfelsaft gesüßte Dinkel-Rosinen-Kekse ersetzt… (wobei, die sind echt lecker!). Wer sich von diesem Bild nicht verabschieden kann, der hält auch nicht viel von den Rezepten auf den 112 Seiten hier.

Sollte man jedoch kein Problem mit Sojawürstchen haben, dann kann man Gerichte wie Sojanaise, Sojawürstchen im Schlafrock, gebackene Koletts (kein Schreibfehler, zu den Koletts kommen wir noch…) mit Tomatensauce oder Phagwürfel mit Klößchen in Meerrettichsauce kochen.
Wie bitte? Phag*? Koletts? Cenofix und Vitaquell? Das ist das zweite Problem hier drinnen: sogar ich mußte die Hälfte der Zutaten erst mal googlen. Liegt wahrscheinlich daran, daß meine Jesuslatschen noch im Schrank stehen….
Sollte man es geschafft haben, die notwendigen Produkte zu erraten, im Reformhaus zu erjagen oder zu ersetzen, dann ist das Werk durchaus brauchbar.

Was mir allerdings total fehlt, sind die Angaben, wie viel Portionen ich aus z. B. aus 250 gr. Hirse für die Hirsekräuterklöße rausbekomme. Man fliegt hier sozusagen am Anfang blind, außer man hat bereits mit ähnlichen Rezepten Erfahrungen gesammelt.

Irgendwie schmecken die Rezepte auch, nun ja, gesund. Sie schmecken halt anders, als es der Gewohnheitsmensch bisher kannte. Sollte bei Fleischersatzprodukten ja auch kein Wunder sein. An dieser Stelle sein erwähnt, daß zwar Vegetarier dieses Buch ohne Einschränkungen nutzen können, die Rezepte sind aber nicht vegan.

Empfehlen mag ich dieses Werk hier mal nicht. Es ist für die richtige Zielgruppe ein interessantes Grundlagenwerk mit schönen, umsetzbaren Rezepten, die dieser Zielgruppe bestimmt schmecken. Alle anderen können damit aber nix anfangen. Sollte man sich an das Thema rantasten wollen, gibt es modernere und optisch ansprechendere Einsteigerwerke, die auch bei der Zutatenrecherche keine Mühe machen.

Ich koche ab und zu tatsächlich was hier draus, aber wirklich eher selten.

Wirsing, Sususi

P.S.:
Phag gab es bereits 1958 von der De-Vau-Ge Gesundkostwerk GmbH. Damals enthielten die Phag-Schnitten aber noch kein Soja. In den 80er bestanden die verwendeten Phag-Schnitten aus Weizengluten, Hefe, Kasein, Milchpulver, Sojaöl und Meersalz. Offenbar wurde das Produkt in Dosen verkauft.
Koletts fallen in eine ähnliche Kategorie. Man findet sie öfter als „Soy cutlet“ auf englisch-sprachigen Seiten, man kann sich also zumindest vorstellen, was es ist. Wobei „Kolett´s“ eben auch der Markenname ist, z. B. in „Kolett´s Canned Soy Sausages“

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