Museum der Brotkultur Ulm

Durch einen zufälligen Zufall war ich vor kurzem in Illertissen. Und wenn man in Illertissen ist, dann ist man nicht so weit von Ulm weg. Und in Ulm befindet sich das Museum der Brotkultur. Dieses Museum stand bei mir auf der „Bei Gelegenheit mal besuchen“-Liste, da es von Pforzheim ja doch etwas weiter ist. So ergriff ich allerdings die Gelegenheit und da das Parkhaus in der Salzstadelgasse auch nur ca. 30 Meter vom Eingang des Museums weg war, musste ich noch nicht mal weit laufen. (Das Parkhaus ist auch ein guter Startpunkt für weitere Ausflüge in Ulm, zum Beispiel zum Münster)
„Museum für Brotkultur? Davon hab ich ja noch nie gehört“ Tja, geht bestimmt vielen so. Dabei ist es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet ein Land mit ca. 300 verschiedenen Brotsorten dazu eine Ausstellung beherbergt. Wenn man mal nachdenkt, dann ist Brot ein universeller und untrennbarer Bestandteil der menschlichen Kultur, Religion, Politik und Entwicklung.
Das Museum kostet für Erwachsene 4 € Eintritt und ist barrierefrei zugänglich. Es gibt dort eine Dauerausstellung und Sonderausstellungen, aktuell beschäftigt sich diese mit der Tradition und Moderne der Bäckerei. Wer also schon immer mal wissen wollte, wie man Kaisersemmeln backt, was in alten Lehrverträgen von Lehrlingen alles gefordert war oder welche Fehler sich im fertigen Brot zeigen können, der sollte unbedingt vorbeischauen.
Untitled
Auch ein Blick auf mögliche Schädlinge ist geboten:
Schädlinge Bäckerei
Die Geschichte des Brotes beginnt natürlich mit dem Getreide: Nahezu alles, was zu Mehl vermahlen werden konnte,
Mahlgrade Getreide
wurde dies im Laufe der Geschichte auch schon mal um daraus Brot herzustellen und es verwundert nicht, dass Brot bereits im alten Ägypten einen so hohen Stellenwert hatte, dass man den Verstorbenen als Grabbeigabe kleine Statuen und Dioramen von Bäckern oder Getreide-Mahlern beilegte, um sie im Jenseits mit Nahrung zu versorgen.
Bäckerei Grabbeigabe
Für den Ausstellungsteil im zweiten Stockwerk gibt es übrigens einen Audioguide, der die Exponate näher erklärt.
Nachdem die Menschheit herausgefunden hat, was sich alles zu Brot verarbeiten läßt und wie, war der Schritt bis zur religiösen Verwendung nicht mehr weit. Man denke nur an Berches (jiddisch) oder Challot (hebräisch), also die Sabbatbrote, Matze und nicht zuletzt die christliche Hostie.
Sabbabtbrotteller
Natürlich spielte Brot im Laufe der Menschheit noch eine viel entscheidendere Rolle: nämlich wenn es ums nackte Überleben ging. Immerhin hat Brot, beziehungsweise der Mangel an selbigem einen nicht unerheblichen Beitrag zur französischen Revolution geleistet. Nicht umsonst heißt es „Brot für die Welt“. Die letzten Hungersnöte in Europa sind noch gar nicht so lange her und die Älteren unter uns dürften sich noch an Brotmarken und Plakate wie dieses hier erinnern:
Plakat Don´t waste Bread
Was beim Kaffee mit Muckefuck funktionierte, wurde auch beim Brot versucht: man versuchte, das nicht vorhandene Mehl mit Füllstoffen wie Sägemehl, Quecken oder anderen kreativen Mitteln zu strecken, die allerdings keinerlei oder nur sehr geringen Nährwert aufwiesen, bzw. gar nicht erst verdaulich waren.
Aus Zeiten, in denen Brot keine Mangelware war, sind diverse Zunftgegenstände erhalten geblieben; angefangen bei der Zunfttruhe, Zunftkrügen und Prozessionstangenaufsätzen
Prozessionsstangenaufsatz
Natürlich findet sich das Thema auch in der Kunst auf vielfältige Weise betrachtet wieder:
Une Boulangére
wie am Beispiel dieser Bäckerin zu sehen ist.
Alles in allem gibt es also ganz viel zu entdecken. Man sollte mindestens eine Stunde veranschlagen, besser sind eher 1 ½ mit Audioguide bzw. wenn man jemanden zum diskutieren hat. Denn das angestoßene Thema ist natürlich viel umfangreicher als es ein Museum darstellen kann.

Wirsing, Sususi

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